08.03.2017 Event Filmtipp

Moonlight

von
Ulf Schweppe,
Head of Media Sales
Red Carpet Media

„Moonlight“ ist zweifellos ein Ausnahmefilm. Das Coming-of-Age-Drama um den homosexuellen schwarzen Jungen Chiron, der in einem Problemstadtteil von Miami zum Drogendealer heranwächst, klingt von der Story her zunächst nach einem herausfordernden, anspruchsvollen Film, für den sich nur ein kleines, elitäres Publikum begeistern kann. Durch die gekonnte Umsetzung und die fantastischen Schauspieler gelingt es Regisseur Barry Jenkins aber auch die breite Masse zu erreichen. In meinen Augen absolut zu Recht erhielt „Moonlight“ von der Oscarakademie unter anderem die Auszeichnung „Bester Film“. 

Der Trailer zu "Moonlight" - DCM

Gedreht in weniger als vier Wochen mit einem für heutige Maßstäbe verschwindend geringen Budget von fünf Millionen US-Dollar und vielen bis dahin relativ unbekannten Schauspielern überzeugt Jenkins Film durch eine unglaubliche Poesie, die im Kontrast zur harten Realität steht, der sich Chiron gegenüber sieht. Jenkins bringt mit „Moonlight“ Tarell Alvin McCraneys Stück „In Moonlight Black Boys Look Blue“ auf die Leinwand. Die beiden stammen aus dem gleichen Problemviertel und so merkt man dem Film auch deutlich an, dass seine Macher die Lebenswelt kennen, die sie hier skizzieren. Doch weniger das Umfeld als Chirons Entwicklung selbst ist das Thema des Films. Wie finde ich meinen Platz im Leben? Wie erkenne ich, wer ich wirklich bin und was ich will? Und wie stehen meine Chancen, dies – allen widrigen Umständen zum Trotz – auch zu erreichen? Das sind die zentralen Fragen, die sich durch alle drei Teile der Geschichte – Chirons Kindheit, Jugend und junges Erwachsenenalter – ziehen. Dabei findet Jenkins wunderschöne Bilder – wie zum Beispiel die Szene, in der Chirons „Ersatzvater“ mit ihm im Meer schwimmen übt – die trotz der bedrückenden Gesamtsituation immer wieder Hoffnung aufkeimen lassen. Insbesondere der letzte Teil des Films hat mich sehr beeindruckt. In diesem trifft Chiron, der sich inzwischen „Black“ nennt und zu einem knallharten Drogendealer geworden ist, seinen Schulfreund Kevin wieder. Diesem gelingt es, nach und nach Chirons Fassade abzukratzen, bis ihm – und dem Zuschauer – irgendwann klar wird, dass alles, was Chiron jetzt darstellt, reiner Selbstschutz ist, um sein wahres, verletzliches Ich zu verbergen.

Fazit: „Moonlight“ ist ein Film, den man so schnell nicht vergisst. Bilder, Darsteller und Story – hier stimmt einfach alles! Unbedingt anschauen!

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